Infos für Besucher*innen

Wie wunderbar, dass Du kommst

Wir freuen uns sehr, dass Du ins Funkenhaus kommen magst. Um Dir einen möglichst feinen und inspirierenden Aufenthalt hier vor Ort zu ermöglichen, wäre es großartig, wenn Du das hier kurz liest – danke Dir sehr für Deine Zeit.

Das Funkenhaus ist ein utopischer Experimentierraum, um ein neues Miteinander zu erproben. Unsere Vision ist es, den inneren und äußeren sozial-ökologischen Wandel zu verknüpfen und mit Seminaren, Workshops und anderen politischen Aktionsformen in die Welt zu tragen. Dabei ist es uns wichtig, diese Räumlichkeiten und Fähigkeiten zu teilen und Menschen so offen wie möglich zu empfangen.

Damit Du Dich wohlfühlen kannst, bekommst Du hier schon eine erste Orientierung, wie sich dieser Ort organisiert und was hier wichtig ist.

Wenn irgendwas unklar sein sollte, melde Dich gerne und frage nach – am besten bei Deiner Buddyperson.
Ansonsten ist das nun zwar einiges an Text, aber keine Angst, Du brauchst nicht alles auswendig lernen. Deine Buddyperson wird Dich während Deines Daseins begleiten, gibt Dir eine Einführung, wenn Du dann da bist, wo Dir alles Wichtige nochmal gesagt und gezeigt wird. Bis dahin:

“Fragend schreiten wir voran." (Zapatistas)

Was, wer und wie?

Wir, das Kollektiv für gelebte Utopie, sind eine bunte Mischung von Aktivist*innen, Multiplikator*innen und utopischen Macher*innen des äußeren und inneren Wandels. Wir sehen das Haus und Grundstück als unseren Lebens- und Wirkort oder zumindest als eine Basis für unsere Aktivitäten und Bedürfnisse.

Wir kommen bisher aus der Mitweltbildung, der Permakultur, antifaschistischen und feministischen Projekten, dem Anti-Braunkohle und Tierbefreiungs-Aktivismus, Besetzungen, therapeutischer und Körperarbeit, …. Wir wollen eine Halbinsel für radikale Veränderung sein und als solche über Bildungsarbeit, Aktionen und Projekte aktiv kollektive und individuelle Transformationsprozesse voranbringen und einleiten. Wir wollen für Alle ein Leben, in dem Menschen, frei von strukturellen und individuellen Zwängen (Institutionen, Sozialisierung, Isolation,…), ihre Gedanken denken, ihre Gefühle fühlen, ihr Potential entfalten und die Art und Weise ihres Wirkens frei wählen können. Wir glauben nicht, dass wir genau wissen, wie die Welt (Utopie), in der dieses Leben stattfinden kann, aussehen wird. Wir sind aber bereit, immer wieder neu zu entdecken und zu hinterfragen, was dieses Leben, diese Welt sein könnte und was unsere Rolle als Gruppe und als Individuum auf dem Weg zu dieser Welt sein kann. Die innere Arbeit und Aktionen schätzen wir dabei beide als einander bedingende Möglichkeiten für politisches Wirken. Auf dem Weg dahin wollen wir keine neue Szeneidentität schaffen, die Menschen vorschreibt, wie sie zu sein haben.               

So glauben wir zum Beispiel nicht, dass Hierarchien einfach verschwinden, weil wir formell keine eingehen, sondern glauben, dass es wichtig ist über Gruppenprozesse und Herrschaftsüberwindung zu diskutieren und unser Handeln zu reflektieren und zu kritisieren.

Wir wollen eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit, des Vertrauens und des Empowerments schaffen, in der wir kreativ neue Ansätze finden und liebevoll unsere Schwächen annehmen. In unseren zwischenmenschlichen Begegnungen setzen wir auf Bewusstsein, authentische Begegnung und Verletzlichkeit, mit dem, was gerade in uns lebt. Was gerade wichtig ist, soll bei uns Raum haben, ohne dass wir dabei unsere Ziele aus den Augen verlieren.

Es ist uns ein Anliegen, Menschen dazu zu ermächtigen, Hierarchien in ihrem persönlichen Alltag und auf struktureller Ebene, z.B. Abhängigkeit von Lohnarbeit und Mietverhältnissen, zu überwinden. Daher tun wir uns zusammen, veranstalten Seminare, Skillsharings und Reflexionsräume. Teile von uns haben bereits gemeinsame Ökonomien, weitere Schritte zu größeren, radikaleren gemeinsamen Ökonomien sind für uns wünschenswert.

Gleichzeitig ist uns auch direkte Wirksamkeit wichtig, weshalb wir direkte politische Aktionen planen und verwirklichen, sowie politische Aktionen anderer solidarisch unterstützen. Sei es durch Wuppkraft, Essen aus unserer Küfa oder Out-of-Action Support. Freiheit für Alle!

Es reicht nicht, nur an unserer eigenen Befreiung zu arbeiten. Zum einen, weil so nur einige Privilegierte (deutscher Pass, weiß, akademischer Background etc.) die Möglichkeit haben, sich in Teilaspekten aus gesellschaftlichen und kapitalistischen Zwängen zu befreien. Zum anderen, weil wir daran glauben, dass auch Selbstbefreiung (R)Evolution braucht. Nur indem wir die Gesetze und Normen, die uns und andere am Freisein hindern, verändern, können wir uns befreien. Wir wollen nicht nur Strukturen gegen Konkurrenz und Repressionen aufbauen, sondern auch die Entfremdung und die Logik von Unterwerfung und Unterdrückung in und zwischen uns auflösen. Beziehungsarbeit sehen wir als politische Arbeit. Beziehungsarbeit und Arbeit an Gruppendynamiken sind die Grundlage von Vertrauen, welches wiederum die Grundlage von Solidarität bildet. Vertrauensvolle Beziehungen geben uns die Kraft, die wir brauchen, um diese Welt zu ändern. Außerdem sind sie unabdinglich, um uns gemeinsam zu organisieren und Konsensentscheidungen zu treffen.

Das Labor unserer utopischen Experimente ist das Funkenhaus in Greene. Ein Ort, an dem wir uns praktisch und gezielt mit unseren Ideen zusammen- und auseinandersetzen. Damit wir und viele Menschen sich hier wohlfühlen können und wir unseren Utopien ein Stückchen näher kommen, bemühen wir uns hier um Folgendes:

  • Eine vegane, ökologische, drogenfreie Lebensweise*
  • Eine Auseinandersetzung mit (strukturellen) Diskriminierungsformen und Privilegien (Klassismus, Sexismus, Rassismus, Ageismus, …)
  • Ein tauschlogikfreies, verwertungszwangfreies, eigentumfreieres Miteinander
  • Eine hierarchiefreiere, kollektive (Selbst)organisation mit einer Vielfalt von Methoden
  • Räume für uns, für Gefühle, Kommunikation und Reflexion
  • Bedürfnissorientiertes, funktionales Leben mit Wupp-, Ruhe- und Rückzugsräumen
  • Reflexion von innerer als auch äußerer Arbeit

Dinge, die uns noch wichtig sind: klare, transparente, präventive Absprachen für Grenzüberschreitungen und Konflikte Richtlinien, verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Daten; Netzwerken und Vernetzen, ökologische Baumaßnahmen, naturnahes Leben, dezentrale Energieversorgung (Selbstversorgung soll aber nicht unser primäres Ziel sein.)

Werte

Wir leben hier drogenfrei, vegan und tauschlogikfrei. Es ist ein Versuch andere Selbstverständlichkeiten zu leben.

Drogenfrei:
Es geht dabei auch um ein Gefühl der Sicherheit und Echtheit, welches durch Drogen in vielen Kontexten eingeschränkt werden kann. Zudem möchten wir die Gewohnheit hinterfragen, Alkohol und andere Drogen in Gruppen zu konsumieren, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben, ob es allen Beteiligten damit gut geht oder ob alle wirklich Lust darauf haben. Für viele Menschen war es eine bereichernde Erfahrung, sich für die Zeit der Mitmachräume von Drogen zu lösen (Kaffee, Tee, Kakao, Zucker oder Ähnliches zählen wir nicht dazu, wohl aber jeglichen Alkohol und Tabak). Uns ist jedoch wichtig, dass Menschen mit Abhängigkeiten nicht ausgeschlossen werden, daher sind wir jederzeit offen dafür, gemeinsam Lösungen zu finden.

Vegan:
Mit dem passiven Widerstand gegen die „Nutztierindustrie“ möchten wir Strukturen, die auf Ausbeutung von Lebewesen beruhen, nicht weiter unterstützen sowie ein Zeichen für ein solidarischeres Miteinander setzen, in welchem menschlichen sowie nicht-menschlichen Tieren die gleichen Rechte zugesprochen werden. Veganismus verstehen wir als Weg hin zu einer gewaltlosen, hierarchiefreien Gesellschaft von Morgen.

Tauschlogikfrei:
Wir möchten auf ökologischer Ebene Vorhandenes sinnvoll nutzen, Gebrauchsgegenstände teilen und somit finanziell keine weitere Nachfrage für ein sowieso schon übermäßiges Angebot generieren. Der nachhaltigste Konsum ist Nicht-Konsum.
Auf solidarischer Ebene haben wir den Anspruch, dass Geld kein trennendes Mittel darstellen soll und uns nicht einteilen darf in Besitzende und Besitzlose. Damit die Möglichkeit für alle offen ist, an unseren Projekten, Seminaren und Aktionen mitzuwirken und teilzunehmen, gestalten wir sie tauschlogikfrei. Damit streben wir an, das Prinzip von Leistung und Gegenleistung zu überwinden, um Erfahrungen zu machen, dass wir mit einem leistungsfreien Selbstwert einfach so sein dürfen und daraus – wenn wir mögen – unser Potential entfalten und in die Gesellschaft aus intrinsischer Motivation einbringen dürfen.

Außerdem setzt dieser Ort sich mit der Haltung einer profeministischen, rassimsuskritischen sowie herrschaftskritischen Sicht für eine emanzipatorische Gesellschaft ein. Dazu gehört beispielsweise, dass wir uns dazu entschlossen haben, dass auch in warmen Sommertagen die männlich gelesenen Menschen ihre T-Shirts anbehalten.

Mitrbingliste

  • Schlafsack oder Bettzeug
  • Handtuch
  • Hausschuhe
  • Taschenlampe
  • und alles was Du noch brauchst, um Dich wohl zu fühlen

Anreise

Das Funkenhaus befindet sich im wunderschönen Greene mit Burg & Viadukt. Vor allem der Fluss namens Leine lädt mit einer Badestelle an einem kleinen Wasserfall oder auch einer Sprungbrücke an warmen Sommertagen ins kühle Nass ein. Zusätzlich gibt es noch einen großen Wald. Einzig allein die Bundesstraße trübt diese Idylle und gleichzeitig ist damit das Trampen durchaus leicht machbar.
In rund 2km Entfernung befindet sich der Bahnhof Kreiensen, der knapp 30 Minuten von Göttingen und 45 Minuten von Hannover entfernt ist.
Am Bahnhof gibt es zum Ankommen auch ein paar Sharingbikes, die Du nutzen kannst, um zum Funkenhaus zu kommen. Oder Du gehst gemütlich an der Leine entlang und kommst ganz entschleunigt an. Genaue Adresse: Leinestraße 8.

Danke Dir von Herzen, dass Du vorbei kommen magst.

Das freut uns sehr! Bis bald und Herzensgrüße aus dem Funkenhaus.