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Zurück im Funkenhaus -
Teil 1

Wiedersehen im Funkenhaus

Nach acht Wochen spannender und lehrreicher Erlebnisse während meiner Flugzeit, kehre ich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ins Funkenhaus zurück. Auf dem Weg vom Bahnhof in die Leinestraße frage ich mich, ob die kommenden zwei Wochen mit den anderen Utopistas wieder gefüllt sein werden mit emotionalen Themen und Energielöchern, ob ich einen gemütlichen Platz zum Schlafen und genug Rückzugsmöglichkeiten für mich finde. Trotz meiner Zweifel und kleinen Sorgen bin ich voller Vorfreude, alle wieder zu sehen und bin gespannt auf jede einzelne Geschichte, die die Flugzeit füllte.

Doch als ich gegen Abend eintreffe, ist das Funkenhaus dunkel und verlassen. Ich stelle meinen Rucksack ab und mache mich auf die Suche nach vertrauten Gesichtern. Die Küche, der Seminarraum und auch der Gemeinschaftsraum sind dunkel und leer. Kurz stellen sich in mir Zweifel ein, ob ich vielleicht eine wichtige E-Mail nicht gelesen habe und zur falschen Zeit am falschen Ort bin. Aber so schnell gebe ich die Suche nicht auf, weiter forsche ich im zweiten Stock und da höre ich eine Tür und Schritte. Freudig läuft mir ein Utopi in die Arme. Ich bin erleichtert und voller Freude.

Mir wird berichtet, dass das verlassene Funkenhaus einen Grund hat. Alle Funken und Utopistas sind bei der kulinarischen Märchenlesung im Gasthaus Greene. Erst da bemerke ich, dass ich nach der langen Zugfahrt auch hungrig bin. Gemeinsam gehen wir beiden zum Gasthaus, um dort herzlich von allen anderen mit einer festen Umarmung und einem leckeren Essen begrüßt zu werden. Während ich vor einem dampfenden Teller mit selbstgekochtem Linseneintopf sitze, darf ich mir ein Märchen von Alma anhören. Dankbar und glücklich liege ich am ersten Abend völlig erschöpft in einem warmen weichen Bett und bin sehr zuversichtlich was die kommenden Tage betrifft.

Am nächsten Morgen treffen wir uns zum ersten gemeinsamen Plenum. Ohje, mit Plena verbinde ich lange Diskussionen, Konflikte, ausdauerndes Sitzen und Frustration. Doch das heutige Plenum gestaltet sich irgendwie anders. Wir sind alle ganz gut drauf, äußern klar unsere Wünsche und Bedürfnisse wodurch das Plenum wie im Fluge verstreicht.

Am Nachmittag sitzen wir wieder zusammen. Es fühlt sich so an, als müssten wir uns erst wieder aneinander gewöhnen und deshalb möchten wir uns in den kommenden zwei Tagen Zeit nehmen, um uns gegenseitig Geschichten aus der vergangenen Flugzeit zu erzählen. Mit Tee und kuscheligen Decken sitzen wir im warmen Gemeinschaftsraum auf den Sofas und lauschen gespannt den Erzählungen der anderen. Während dem Zuhören tauchen wir gemeinsam in die Erlebnisse ein. Es ist spannend, bei den Höhen und Tiefen mitzufühlen. Fast fühlt es sich so an, als würde ich die Geschichten der anderen miterleben. Meinen eigenen Erfahrungen während der Flugzeit darf ich auch Raum geben, um sie zu reflektieren und zu teilen.

Nach den zwei Tagen fühle ich mich sehr verbunden mit der Gruppe. Auf mich wirkt die Gruppe und die einzelnen Mitglieder bereit, um in tiefere ehrliche Begegnungen zu starten. In mir wächst ein tieferes Verständnis für jede*n Einzelne*n. Ich bin neugierig, Fragen zu stellen, um noch weitere Details zu erfahren.

Nach dieser Erkenntnis starten wir am Mittwochnachmittag verspätet in unseren Workshop. Zwei Referentis sind eingeladen, um uns das Theater der Unterdrückten näher zu bringen. Im Laufe des Tages verflog meine Skepsis und wuchs meine Vorfreude auf diesen Workshop und so finde ich mich voller Spannung und Energie im Seminarraum wieder und bereite mich mental auf die erste Methode vor.

Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Eine spannende Methode folgt der nächsten. Wir sind aktiv in unseren Körpern und voller Energie und Ideen. Spielerisch nähern wir uns dem Thema „Alltagssexismus“. Als letzte Übung erarbeiten wir in Kleingruppen ein Standbild zu einer sexistischen Äußerung, welches wir morgen vor der Gruppe präsentieren sollen.

Nachdem wir mit der Präsentation und Interpretation der Standbilder des vergangenen Tages begonnen hatten, folgt ein theoretischer Input zum Thema Theater der Unterdrückten. Gespannt lauscht die Gruppe der Referentin*. Meine Vorstellung zum Thema wird immer klarer und mein Interesse, mehr zu lernen, wächst. Am Nachmittag setzten wir uns mit unserer eigenen Biografie bezüglich sexistischer Erfahrungen auseinander und tauschen uns paarweise darüber aus. Im Anschluss finden wir uns wieder in Kleingruppen zusammen und erarbeiten eine kurze Szene, in der eine dieser Erfahrungen dargestellt wird. Nach dem wir uns alle Szenen angeschaut haben, entscheiden wir uns für eine und tauchen mit der Methode des Theaters der Unterdrückten tiefer in diese ein.

In der Szene sitzen vier männlich gelesene Menschen auf einer Parkbank. Sie wirken angetrunken und pöbeln. Ein Mädchen, Sofie, läuft an ihnen vorbei. Die Aufmerksamkeit aller Männer richtet sich auf Sofie. Sie rufen ihr sexistische Äußerungen hinterher, fordern sie auf, zu ihnen zu kommen. Sofie wirkt schutzlos. Im Anschluss an diese Szene haben wir als Gruppe nun die Möglichkeit, die Szene zu verändern in dem wir Sofies Rolle übernehmen oder sie durch eine weitere Rolle zu unterstützen.

Wir spielen die Szene immer wieder durch. Wechseln Sofie aus, geben ihr eine Stimme oder stellen ihr eine Unterstützer*in zur Verfügung. Immer wieder nimmt die Szene eine neue Dynamik an.

Der Nachmittag verfliegt und ich bin beeindruckt, welche Macht Worte und Taten haben. Meine Motivation ist geweckt, mich weiter in die Methode einzuarbeiten.

Mit den Erfahrungen des vergangenen Workshops sitzen wir am Freitagmorgen in unserem zweiten Plenum. Die Gruppe wirkt sehr entspannt und gut gelaunt und genauso verläuft auch das Plenum. Wir finden schnell zu einem Konsens, schaffen es, uns zuzuhören und haben sogar Spaß 😉. Daraufhin beschließen wir, am Nachmittag die Gemeinschaftszeit zu nutzen und Spiele zu spielen. Am Nachmittag sitzen wir vor dem warmen Ofen, spielen Wizard und Activity und lassen es uns gut gehen.

Die erste Woche der zweiten Funkenzeit ist vorüber. Für mich gab es keine Energielöcher oder größeren Konflikte, die nachschwelen und bearbeitet werden sollten. Die Zeit im Funkenhaus fühlt sich leichter und unbeschwerter als im Sommer an. Meine Zweifel und Sorgen sind dahin und ich freue mich auf die kommende Woche, in der das Thema Tiefenökologie dran ist.

Irgendetwas hat sich verändert an mir, an der Gruppe und den einzelnen Mitglieder*innen. Wir sind offener und ehrlicher, doch gleichzeitig nehmen wir uns mehr Zeit für uns selbst. Ich habe das Gefühl, dass wir in der Flugzeit dazu lernen durften, gewachsen sind und uns weiterentwickelt habe

 

Blog und Eintrag wurden mit ganz viel Liebe, Eifer, Geduld und leider keinen Süßigkeiten mehr (die sind leider alle weg in dieser Funkenzeit) für dich erstellt!

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